Buchbesprechung Leseprobe:
ADOLF HITLERS TISCHGESPRÄ.CHE VOM 21. JULI 1941 BIS ZUM 11. MÄRZ 1942
NR. 1 BIS 36, AUS DEN ORIGINALSTENOGRAMMEN HEINRICH HEIMS AUSGEZOGEN VON DR. HENRY PICKER
21. 7. 1941 nachts
(Wolfsschanze)
Aufnahme: Heim. F(ür) d(ie) R(ichtigkeit): Picker
Im Grunde müssen wir dem Jesuitismus dankbar sein. Wer weiß, ob wir ohne ihn von der Bauweise der Gotik zu der leichten, offenen und hellen Architektur der Gegenreformation gekommen wären. Gegenüber der Bemühung Luthers, das bereits völlig verweltlichte Kirchenfürstentum zur mystischen Verinnerlichung zurückzuführen, hat der Jesuitismus an die Sinnesfreude appelliert.
Dabei war Luther durchaus nicht darauf aus, die Menschheit an den Buchstaben der Schrift zu binden; es gibt eine ganze Reihe von Äußerungen, in denen er gegen die Schrift Stellung nimmt, indem er feststellt, sie enthielte vieles, was nicht gut ist.
Auch der Protestantismus hat Hexenverbrennungen gekannt, während man sie in Italien so gut wie nicht findet. Der Südländer geht viel leichter an die Dinge des Glaubens heran! Auch der Franzose bewegt sich völlig ungezwungen in der Kirche, während man bei uns schon Gefahr läuft aufzufallen, wenn man nicht niederkniet.
Andererseits: Daß er (Luther) es gewagt hat, sich gegen den Papst und das System der Kirche aufzulehnen! Das war die erste Revolution.
Und mit der Bibelübersetzung hat er an die Stelle unserer Dialekte die deutsche Sprache gesetzt, also Charakter und Geist der Nation in einheitlichen Zeichen verlautbart.
Es ist auffallend, wie verwandt die Entwicklung Deutschlands und Italiens verläuft. Die Sprachschöpfer standen gegen die Universalherrschaft des Papstes: Dante und Luther.
Die Nationen wurden zur Einheit geführt gegen die dynastischen Interessen durch einen Mann. Sie sind zum Volk geworden gegen die Wünsche des Papstes.
Eine ganz besondere Freude ist stets eine Begegnung mit dem Duce; er ist eine ganz große Persönlichkeit. Seltsam, daß er zur gleichen Zeit wie ich als Bauarbeiter in Deutschland tätig war. Gewiß: Mein Programm ist entstanden 1919; damals wußte ich nichts von ihm. In den geistigen Fundamenten ruht unsere Lehre in sich; aber jeder Mensch ist das Produkt von eigenen und fremden Gedanken. Und man sage nicht, daß die Vorgänge in Italien ohne Einfluß auf uns waren. Das Braunhemd wäre vielleicht nicht entstanden ohne das Schwarzhemd. Der Marsch auf Rom 1922 war einer der Wendepunkte der Geschichte. Die Tatsache allein, daß man das machen kann, hat uns einen Auftrieb gegeben. (Einige Wochen darauf hat der Minister Schweyer mich empfangen, er hätte das sonst nicht getan.)
Benito Mussolini (1883 bis 1945) - ursprünglich Sozialist und Volksschullehrer - emigrierte von 1902 bis 1904 nach der Schweiz (vorübergehend auch nach Deutschland), war nach der Rückkehr nach Italien Journalist und ab 1912 Chefredakteur des sozialdemokratischen Parteiorgans »Avanti«, wurde 1914 als Befürworter des Kriegseintritts Italiens aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen, gründete im November 1914 seine eigene Zeitung »Popolo d'Italia«, war von 1915 bis 1917 Soldat (zuletzt Korporal), kehrte 1917 - schwer verwundet - als Chefredakteur seiner Zeitung nach Mailand zurück und gründete, durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse Nationalist geworden, am 23. März 1919 den »FASCIO DI COMBATTIMENTO«, die faschistische Bewegung, die zugleich Einheitspartei und nationaler Wehrverband (Miliz) mit eigener Jugendorganisation war. Nach dem »Marsch auf Rom« mit seinen »Schwarzhemden« (28. Oktober 1922) wurde er Italiens Ministerpräsident und der Duce (Führer) des Faschismus. Durch seine »Getreideschlachten«, einen umfassenden Straßenbau, die Elektrifizierung der Eisenbahn, den Bau neuer Industrien, die Urbarmachung der Pontinischen Sümpfe und die Schaffung moderner Schulen, Universitäten und Krankenhäuser verminderte er die Arbeitslosigkeit und Armut in Italien entscheidend. Im Jahr 1929 erreichte er durch die »Lateran- Verträge« den Ausgleich zwischen dem Italienischen Staat und dem Vatikan-Staat (also dem Papst). 1936 eroberte er mit seinem autoritär aufgebauten Regime Abessinien (Äthiopien) und 1939 Albanien. Er feierte das als den Beginn eines neuen »Imperium Romanum«. Dadurch, daß er entgegen den mündlichen und schriftlichen Warnungen des Papstes Pius XII und des italienischen Königs am 10. Juni 1940 an Hitlers Seite Italien in den II Weltkrieg führte, verspielte er sein politisches Werk und wurde am 29. April 1945 von kommunistischen Partisanen erschossen. Im persönlichen Umgang war er betont selbstbewußt, konnte aber sehr freundlich und kameradschaftlich sein, wenn man ihm half (wie ich zum Beispiel beim Wiederauffinden seiner auf dem Berghof am 30. April 1942 hoffnungslos verlegten Uniformmütze). Er sprach und verstand Deutsch recht gut, so daß er sich mit Hitler auch ohne Dolmetscher unterhalten konnte. Hitler verehrte ihn sehr. Als bei Mussolinis Befreiung aus der Königs-Haft auf dem Gran Sasso (12. September 1943) sein Tagebuch in deutsche Hände fiel und manche - für Hitler wenig schmeichelhafte - Auffassung offenlegte, tat Hitler seine Enttäuschung mit der Bemerkung ab: »Auch ein Duce ist nur ein Mensch!«
Würde Mussolini damals vom Marxismus überrannt worden sein, ich weiß nicht, ob wir uns hätten halten können. Der Nationalsozialismus war damals noch ein schwaches Pflänzlein.
Wenn der Duce stürbe, so wäre das ein großes Unglück für Italien. Wer mit ihm durch die Villa Borghese ging und seinen Kopf und die römischen Büsten vor sich hatte, der fühlte: Er ist einer der römischen Cäsaren! Irgendwie hat er die Erbmasse eines großen Mannes aus jener Zeit in sich.
Bei ihren Schwächen haben die Italiener doch viele Eigenschaften, die sie für uns liebenswert machen. Italien ist die Heimat der Staatsidee, war doch das römische Weltreich die einzige wirklich große staatspolitische Gestaltung. Die Musikalität des Volkes, ihr Sinn für schöne Verhältnisse und Proportionen, die Schönheit ihrer Menschen! Die Renaissance war doch der Anbruch eines neuen Tages, das Sich-Wiederfinden des arischen Menschen.
Und dann unsere eigene Geschichte auf italienischem Boden! Wer kein Organ für Geschichte hat, ist wie ein Mensch, der kein Gehör oder kein Gesicht hat. Leben kann er auch so, aber was ist das?!
Der Zauber von Florenz und Rom, Ravenna und Siena oder Perugia, wie schön die Toskana und Umbrien! Jeder Palast in Florenz oder Rom ist mehr wert als das ganze Windsor Castle. Wenn die Engländer Florenz oder Rom zerstören, so ist das ein Verbrechen. Um Moskau ist es nicht schade, und leider wäre es heute auch bei Berlin kein Verlust.
Ich habe Rom und Paris gesehen. Ich muß sagen, Paris hat, abgesehen vielleicht vom Triumphbogen, nichts Großes im Stil des Kolosseums oder der Engelsburg oder auch des Vatikans: Gemeinschaftsarbeiten, die über das Einzelne hinausragen. Irgend etwas ist bei den Pariser Bauten immer bizarr, seien es »Ochsenaugen« unmöglich in den Verhältnissen zum Bauganzen, oder ein Giebel, der die Fassade erdrückt, oder wenn ich das antike Pantheon mit dem Pariser Bau vergleiche: Wie schlecht ist dieses konstruiert! Dazu die Plastiken! Was ich auch in Paris gesehen habe, es gleitet an mir ab, Rom dagegen hat mich richtig ergriffen.
Wie wir den Duce bei uns empfingen, dachten wir, es war schön; aber unsere Fahrt durch Italien, der Empfang dort - bei allem überholten Zeremoniell -, die Fahrt zum Quirinal, das war doch etwas anderes noch.
Neapel, vom CasteIl abgesehen, hätte das auch Südamerika sein können. Aber dann wieder der Hof des Palastes, wie großartig in den Verhältnissen, alles abgewogen, eins gegen das andere! Ich könnte mir nur wünschen, wie ein unbekannter Maler dort herumstreichen zu können. Statt dessen: hier Gruppen, dort Gruppen, der Duce dazu, der nicht mehr als drei Bilder sehen kann; so sah ich überhaupt nichts an Gemälden.
Auch Sizilien soll wunderbar sein.
22. 7. 1941 nachts
(Wolfsschanze)
Aufgenommen: Heim. F. d. R: Picker
Überlegen ist der Engländer dem Deutschen durch sein Selbstbewußtsein. Selbstbewußtsein hat nur, wer befehlen kann.
Überall in der Welt sitzen Deutsche an der Arbeit, ohne daß sie den ihnen dafür gebührenden Lohn erhielten; ihre Leistung wird anerkannt. Aber daß sie nur ihrer Arbeit leben, läßt sie denen, die an ihnen verdienen, nur bedauernswert erscheinen.
Woran es liegt, daß der Deutsche in der Zeit bis zum Weltkrieg in der angelsächsischen Welt nicht gern gesehen war?
Um 1870 hatten wir einen ungeheuren Bevölkerungszuwachs. Die Folge war, daß jährlich 200000 bis 300000 Menschen auswandern mußten. Dem konnte man nur abhelfen, wenn man diese Menschen in den Arbeitsprozeß einschaltete. Als Arbeitsprodukt kamen in Frage lediglich Erzeugnisse aus den deutschen Rohstoffen Kohle und Eisen. Der Bedarf an Erzeugnissen aus diesen Stoffen war bis dahin durch England gedeckt worden. Die Engländer pflegten erste Qualität zu verlangen und dafür hohe Preise zu bezahlen. Dem, der unter solchen Umständen ins Geschäft kommen will, bleibt nichts übrig, als den Monopolisten zu unterbieten.
Unser Bienenfleiß hat uns zur Herstellung von Massenartikeln instand gesetzt. Diese waren billig, aber sie konnten nicht die Qualität der englischen Erzeugnisse haben: Wir waren Anfänger und kannten die Produktionsgeheimnisse nicht. So kam es, daß auf einer Weltausstellung in Philadelphia in den achtziger Jahren (1876) die deutsche Produktion das Prädikat »billig und schlecht« erhielt. Mit der Zeit haben sich dann aber drei Produktionsgruppen herausgebildet, in denen unsere Arbeit der englischen an Qualität überlegen war: die chemische Industrie, an der Spitze die Pharmazeutik, die Farbenherstellung und dann vor dem Weltkrieg die Gewinnung von Stickstoff aus der Luft; die Herstellung elektrischer Geräte und die Erzeugung optischer Instrumente. ……..
Inhalt:
ZUR EINFÜHRUNG:
Die Persönlichkeit und Politik Adolf Hitlers. Entstehungsgeschichte der »Tischgespräche« im Führerhauptquartier
ZUR ORIENTIERUNG:
Ein Tag im Führerhauptquartier
AUTHENTIZITÄTSBEWEISE
der FHQu-Mitglieder und Wehrmachtsadjutanten Hitlers: Konteradmiral Karl Jesko von Puttkamer, Oberst Nicolaus von Below und Generalleutnant Gerhard Engel, sowie des Historikers Professor Dr. Walther Mediger
ADOLF HITLERS TISCHGESPRÄCHE VOM 21. JULI 1941 BIS ZUM 11. MÄRZ 1942
Nr. 1 bis 36, aus den Originalstenogrammen Heinrichs Heims ausgezogen von Dr. Henry Picker
ADOLF HITLERS TISCHGESPRÄCHE VOM 21. MÄRZ 1942 BIS ZUM 31. JULI 1942
Nr. 37 bis 200, anhand von Stichwortnotizen bei Tisch unmittelbar nach der Tafel in indirekter Rede fixiert von Dr. Henry Pickel
ADOLF HITLERS GEHEIMREDE VOM 23. NOVEMBER 1937 VOR DEM »POLITISCHEN FÜHRERNACHWUCHS«
zur »Deutschen Geschichte und zum Deutschen Schicksal«
ADOLF HITLERS GEHEIMREDE VOM 30. MAI 1942 VOR DEM »MILITÄRISCHEN FÜHRERNACHWUCHS«
zum Zweiten Weltkrieg
NAMENS- UND SACHREGISTER
BILDNACHWEIS
Als dreißigjähriger Jurist wurde Henry Picker, dessen Eltern mit Hitler seit den zwanziger Jahren bekannt waren, im März 1942 ins Führerhauptquartier berufen, wo ihn Hitler zu seinem "ständigen Tischgast" bestimmte. So erlangte Picker Einblick in Hitlers Werdegang, Gedankenwelt, Politik und Kriegsführung. Seine Niederschriften der "Tischgespräche" Hitlers halten mit der Unbestechlichkeit des historisch, politisch und juristisch geschulten Beobachters fest, wie sich Hitler im Kreis seiner Mitarbeiter gab, wie er seine Auffassungen, Entscheidungen und Maßnahmen interpretierte und wie er die jeweils aktuellen Probleme kommentierte. Eine überaus anschauliche Quelle aus der allernächsten Umgebung Hitlers, die bei ihrer Erstveröffentlichung 1951 als "publizistische Weltsensation" (Der Spiegel) gefeiert wurde.
Der Band gilt bis heute als wichtiges zeitgeschichtliches Zeugnis.
Der Autor:
Henry D. Picker, 1912 in Wilhelmshaven geboren, wurde 1930 Mitglied der NSDAP, studierte Jura und promovierte 1936 an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel. 1942 kam er als Oberregierungsrat und juristischer Mitarbeiter in das Führerhauptquartier, wo er als Tischgast Hitlers seine Aufzeichnungen machte.
Bemerkungen:
von Dr. Henry Picker:
ZUR EINFÜHRUNG: DIE PERSÖNLICHKEIT UND POLITIK ADOLF HITLERS ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER »TISCHGESPRÄCHE« IM FÜHRERHAUPTQUARTIER
Nicht zu rechtfertigen oder zu verurteilen, ist der Sinn dieser Dokumentensammlung. Um Phänomene wie Hitler in ihren geschichtlichen Auswirkungen beurteilen zu können, braucht es viel Zeit und Abstand.
Aufgabe der zeitgenössischen Geschichtswissenschaft, insbesondere in einer so welterschütternden Epoche wie der Hitlers, kann es nur sein, für die Nachwelt die einwandfreien Unterlagen zu sichern und so zu überliefern, »wie es wirklich gewesen« ist. Denn am Gewesenen versucht der denkende Mensch das Geschehnis seiner Zeit zu analysieren. Im Rückblick auf das, was vor ihm war, betrachtet er das historische Gelände, aus dem die Ereignisse seiner Gegenwart keimen und existent werden. So ergründet er die Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Lebens in den Gemeinschaften und im Zusammenwirken der Völker und Nationen unseres Planeten, gewinnt Vergleichsmaterial für die - in ihrem Ablauf immer wieder einmaligen - geschichtlichen Entwicklungen und erhält Maßstäbe für die Gestaltung der noch in Dunkel gehüllten Zukunft. Er muß sich nur hüten, als »Geschichte« lediglich die sichtbaren Ereignisse zu begreifen, die uns auf der Wanderbühne des irdischen Geschehens vor Augen treten, sondern vor allem jene inneren Antriebe aufspüren, die aus der Sphäre des Geistigen stammen und aus einem schlichten Normalbürger einen Weltveränderer wie Hitler formen, der da meint: »Die Erde ist wie ein Wanderpokal. Sie hat das Bestreben, immer in die Hand des Stärksten zu kommen« (Tischgespräch Nr. 106).
Gibt es bessere Unterlagen hierfür als die intimsten Unterhaltungen eines Diktators wie Hitler, zumal, wenn sie zu einer Zeit aufgezeichnet wurden, als er als Herrscher Europas vom Nordkap bis zur Sahara und vom Atlantik bis zum Kaukasus über 6,85 Millionen qkm mit 112,5 Millionen Deutschen und 250 Millionen Ausländern regierte und mit seinem Krieg, dem II. Weltkrieg, ein Siebtel der Erdoberfläche überzog?! Hinzu kommt, daß Hitlers Tischgespräche von mir nicht erst Jahre später und aus der Erinnerung zu Papier gebracht wurden wie diverse Hitler-Memoiren und die sonst publizierten »Gespräche mit Hitler« zumeist, sondern sofort. Bei jenen drei besonders langen Tischgesprächsaufzeichnungen von mir, die Hitler selbst gelesen hat, hat er zudem anerkannt, daß sie seine Gedanken und Darlegungen absolut präzis und einwandfrei wiedergäben.
Noch nie in der Weltgeschichte ist - wie der die Veröffentlichung dieser Dokumentensammlung 1951 erstmals ermöglichende Bundespräsident, Professor Theodor Heuss, erklärte - die Schaffung eines solchen, in seiner Art einmaligen Werkes der Geschichtswissenschaft gelungen und von einem Welterschütterer wie Hitler literarisch ein gleichsam »historisches Foto« eingefangen worden. Und es wird auch kaum ein zweites Mal möglich werden, derartiges Material der Nachwelt zu überliefern, da jeder Staatsmann von Weltgeltung bei Kenntnis dieser Sammlung Selbstenthüllungen von ähnlicher Originalität, Vorbehaltslosigkeit und Vollständigkeit sorgfältigst vermeiden wird. Denn diese Niederschriften halten mit der Unbestechlichkeit des historisch, politisch und juristisch geschulten Beobachters fest, wie Hitler sich im Kreise seiner etwa 26 Mitarbeiter im Führerhauptquartier gab, seine Auffassungen, Entscheidungen und Maßnahmen interpretierte und sich zu den Problemen des Lebens und des Glaubens, des Volkes und der Staatsverwaltung, der Kultur und der Sozialgerechtigkeit, des Krieges und des Friedens stellte. Wenn die Weltpresse dieses Werk daher als »eine unersetzliche Primärquelle« und als »a scientific document of the highest order« bezeichnete, dann sicher deshalb, weil Primärquellen auch bei Hitler Mangelware sind. Sein eigenes programmatisches Werk »Mein Kampf« diente bewußt dem Zweck, seine Person und seine Ideen zu propagieren. »Hitlers Zweites Buch«, 1928 verfaßt, 1961 vom Deutschen Institut für Zeitgeschichte publiziert, war bereits 1929/1930 durch die politische Entwicklung derart überholt, daß Hitler dem Parteiverlag Eher die Veröffentlichung verbot und auf die Reinschriftkorrektur des Manuskripts verzichtete.
Hitlers öffentliche Reden offenbarten von seinen Gedanken und Zielen jeweils nur so viel beziehungsweise so wenig, wie es die aktuellen Gegebenheiten erforderten; nur der Eingeweihte kann bei ihnen die Spreu vom Weizen trennen. Was Mitarbeiter-Biographien, Tagebuch-Memoiren, Historiker-Interpretationen, Erinnerungsprotokolle und überlieferte Gesprächsbruchstücke über Hitler aussagen, ist jeweils von der Sicht des Autors her subjektiv gefiltert. Ähnliches gilt von den Stenogrammen der Hitlerschen Lagebesprechungen, die - da von Zivil-Stenographen getätigt - von Militärs überarbeitet werden mußten. Mir dagegen ging es bei dieser Dokumentensammlung von vornherein nicht um meine Sicht der Probleme, sondern darum, planmäßig ein ausführliches Selbstzeugnis Hitlers über seine Person, seine Ideen und Ziele zu überliefern.
……..
Ganz Persönliches:
Es ist dem Verlag hoch anzurechnen, daß er sich für die Neuausgabe dieses einmaligen geschichtlichen Dokuments entschlossen hat.
Allein durch diese ungeschminkten Selbstdarstellungen Hitlers kann man seiner Person ein Stück näher kommen, die Psyche dieses größten Verbrechers aller Zeiten besser begreifen und seine Gedankengänge nachvollziehen. Sein Größenwahn und seine Skrupellosigkeit werden nirgends besser deutlich als hier.
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