Buchbesprechung Leseprobe:
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Feldherrnhalle
G:J Friedrich von Gärtner. 1844 → Odeonsplatz, Karte C3 U Odeonsplatz
In den frühen zwanziger Jahren tat sich Hitler nicht nur als Publikumsmagnet und politischer Organisator der NSDAP hervor, sondern gelangte mit den ihm unterstehenden paramilitärischen Wehrverbänden in Bayern zu einem gefährlichen Machtpotential. Sein Ziel war, die Demokratie von Weimar mit einem Staatsstreich zu beseitigen. Er hatte prominente Unterstützer: Im Oktober 1923 kam der Industrielle Fritz Thyssen nach München, um sich über den geplanten Umsturzversuch zu Informieren, und spendete der NS-Bewegung 100.000 Goldmark. Die Stunde des Zuschlagens sah Hitler gekommen, als der regierende Generalstaatskommissar Gustav von Kahr eine Reihe reichsfeindlicher Entscheidungen traf. In der Erwartung, vom bayerischen Wehrkreiskommando und der Landespolizei unterstützt zu werden, sprengte Hitler am 8. November 1923 eine politische Versammlung Kahrs im >BürgerbräukeIler. Er erklärte die Regierungen 8ayerns und des Reiches für abgesetzt und proklamierte die Bildung einer "provisorischen deutschen Nationalregierung". Als Kahr sowie die Chefs von Armee und Polizei ihre lediglich unter Zwang gegebene Zustimmung widerriefen und Gegenmaßnahmen einleiteten, war der Putsch gescheitert. Dennoch marschierten Hitler und seine Anhänger am nächsten Tag schwerbewaffnet in das Münchener Regierungsviertel. An der Feldherrnhalle stoppte die Landespolizei den Zug und eröffnete das Feuer. Noch bevor die Sache entschieden war, suchte Hitler überstürzt das Weite, 16 Putschisten ("Blutzeugen") und vier Polizisten kamen ums Leben.
Nachdem Hitler Reichskanzler geworden war, erhob er am 9 November 1933 die Feldherrnhalle zum nationalen Schrein der NS-Bewegung. Es sollte eine geheiligte Stätte sein, zu der die "Alten Kämpfer" bei einer alljährlichen rituellen Nachinszenierung des historischen Marsches Immer wieder zurückkehrten.
An der Ostflanke des 8auwerks wurde ein Mahnmal errichtet. Hitler ließ eine Gedenktafel mit der Inschrift "Und Ihr habt doch gesiegt" sowie den Namen der getöteten Putschisten anbringen. Darunter befand sich eine kleinere Plakette mit den Namen der vier umgekommenen Polizisten. Ein Doppelposten der SS bewachte das Mahnmal von nun an Tag und Nacht.
Auf dem Odeonsplatz leisteten in den folgenden Jahren SS- und Wehrmachtsrekruten bei Massenaufmärschen ihren Fahneneid. Die sterblichen Überreste der 16 "Blutzeugen der Bewegung" wurden exhumiert. am 8. November 1935 im Innern der Feldherrnhalle aufgebahrt und einen Tag später feierlich zur vermeintlich ewigen Ruhe in den >Ehrentempeln am Königsplatz geleitet.
Am 3. Mai 1945 entfernte die US-Armee das nationalsozialistische Mahnmal an der Feldherrnhalle und ließ es einschmelzen. Geblieben ist bis heute sein Fundament. Eine in den Bürgersteig eingelassene Gedenkplatte erinnert an die 1923 getöteten Landespolizisten Rudolf Schraut. Friedrich Fink, Nikolaus Hollweg und Max Schobert.
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Hofbräuhaus
Max Littmann, 1887 → Platzl 8, Karte C3 täglich 8-24 Uhr S, U Marienplatz
Seit 1828 verfügte das Münchener Hofbräuhaus, 1588 von Herzog Wilhelm V. gegründet, über einen öffentlichen Bierausschank. Das heutige Stammhaus am Platzl 8 wurde 1887 errichtet. Der Festsaal im ersten Stock war seinerzeit einer der größten in München und stets gut besucht. Am 24. Februar 1820 fand hier die erste Großversammlung der "Deutschen Arbeiterpartei" statt, die kurz darauf das Attribut" nationalsozialistisch" in ihren Namen aufnahm. Vor rund 2.000 Zuhörern stellte Hitler das 25-Punkte-Programm der Partei vor. Die Veranstaltung wurde von den Nazis später zum Gründungsereignis der NS-Bewegung verklärt, und am Ort des Geschehens erinnerte eine Gedenktafel aus Bronze mit Hitlers Konterfei an dessen legendäre Rede. Eine Saalschlacht vom 4. November 1821 galt darüber hinaus als Feuertaufe der SA und sicherte dem Hofbräuhaus endgültig seinen späteren Rang als eine NS-Wallfahrtsstätte.
Die aufwendigen Deckenmalereien im großen Festsaal, die der Krieg in Mitleidenschaft gezogen hatte, wurden 1850 vereinfacht wiederhergestellt. Ein auffälliges Motiv unter jeder Deckenleuchten sind bayerische Landesflaggen in Form eines Hakenkreuzes.
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Kabarett "Die Pfeffermühle"
→ Am Kosttor, Karte C 3 S, U Marienplatz
"Jetzt wollen wir was Hübsches singen" - mit diesen Worten begann am 1. Januar 1933 das erste Programm der "Pfeffermühle" in München. lnitiatorin dieses politischen Kabaretts war die Schauspielerin Erika Mann, zur Seite standen ihr Gleichgesinnte wie der Schriftsteller Klaus Mann, ihr Bruder, und die Schauspielerin Therese Giehse. Die Premiere fand in den etwas heruntergekommenen Räumen des ehemaligen Kabaretts "Bonbonniere" vor einem begeisterten Publikum statt - zu einem Zeitpunkt, als die Machtübernahme der Nationalsozialisten bereits unmittelbar bevorstand. In direkter Nachbarschaft befand sich das >Hofbräuhaus. Es konnte also durchaus vorkommen, dass gleich nebenan Hitler seine Hasstiraden schmetterte während die "Pfeffermühle" vor ausverkauftem Haus gegen den braunen Zeitgeist stichelte. Das zweite und letzte Münchener Programm wurde im Februar 1933 in der Gaststätte "Serenissimus" am Siegestor aufgeführt.
Nach der Machtübernahme der Nazis emigrierten Erika Mann und Therese Giehse in die Schweiz. Die "Pfeffermühle" zog mit um. Im Herbst konnte der Spielbetrieb in Zürich wiederaufgenommen werden. Bis zum letzten Auftritt auf europäischem Boden am 14. August 1936 tourte die "Pfeffermühle" durch fünf Länder und gab insgesamt rund 1.000 Vorstellungen 1937 gingen die Geschwister Mann mit ihrem Kabarett, das sich jetzt "Peppermill" nannte, nach New York. An die Erfolge in Europa konnten sie jedoch nicht mehr anknüpfen. Aus der Kabarettistin Erika Mann wurde in den folgenden Jahren eine politisch engagierte Rednerin, die mit Vortragsreisen durch die USA die Menschen über Hitler aufzuklären versuchte.
Inhalt:
Auf Spurensuche an den wichtigsten Orten der NS-Geschichte in München – Ein übersichtlicher historischer Stadtführer mit zahlreichen Karten und Abbildungen
München war unter Hitler die »Hauptstadt« der nationalsozialistischen Bewegung. Die NSDAP ließ hier ab 1931 ihre zentralen Verwaltungsbauten errichten, der »Führer« hatte bis 1945 einen privaten Wohnsitz in der Stadt. In der bayerischen Metropole wurde auch die SS gegründet, die später ihre Schreckensherrschaft auf das ganze Reich ausdehnte.
Auf Anweisung von Hitlers sollte München wie Berlin grundlegend umgebaut werden.
Vorgesehen waren riesige Straßenachsen mit zahlreichen Monumentalbauten, wozu es jedoch nicht mehr kam.
Der PAST FINDER von Maik Kopleck führt zu den bekannten und weniger bekannten Orten dieser Geschichte und erklärt auf kompakte Weise die historischen Ereignisse. Durch mehrere Karten und eine übersichtliche grafische Aufbereitung kann sich jeder Leser seine individuelle Besichtigungsroute zusammenstellen.
Der Autor:
Maik Kopleck, Jahrgang 1975, Kommunikationsdesign-Studium, freier Art Director für verschiedene Werbeagenturen in Düsseldorf und Berlin; während einer mehrmonatigen Weltreise freier Fotograf in San Francisco; Mitinhaber des 1996 gegründeten Design-Büros STAAB/KOPLECK: DESIGN! in Düsseldorf.
Bemerkungen:
Ein weiterer PastFinder von Maik Kopleck, vom Büchervielfraß vorgestellt:
Berlin 1933 – 1945
Ganz Persönliches:
Wie schon sein erster ungewöhnlicher Stadtplan (Berlin 1933 – 1945) ein hervorragendes „Werk“, eine wichtige Aufgabe.
Nicht nur Touristen, auch Einheimische und noch mehr „Zuegroaste“ werden sich manchmal verwundert die Augen reiben.
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