Buchbesprechung Eine Arbeit, die allen – besonders Journalisten und Politikern, im Osten wie im Westen – wärmstens zum Studium empfohlen ist.
Fritz Frey betreibt Grundlagenforschung und Recherche so gründlich, wie es heute leider zu unser aller Schaden aus der Mode gekommen ist.
Inhalt:
Europa ist im Gespräch- und das nicht erst seit Donald Rumsfeld 2003 mit seinen Aussagen zum alten Europa die Staatengemeinschaft in Unterstützer und Gegner des Irakkrieges zu spalten suchte. An diesem Punkt setzt Fritz Frey in seinem Buch 'Europa zwischen Ost und West' (BoD Norderstedt) an. Kritisch hinterfragt er, was das 'alte Europa' sein soll, was es heute im Zuge der Globalisierung und hegemonialer Bestrebungen der Weltmacht USA darstellt und welche Rolle es in der - geeinten - Zukunft spielt! Im Mittelpunkt seiner innovativen Analyse stehen Mensch und kulturelle Vielfalt: Werden Individuen und historische Völkergemeinschaften tatsächlich im Prozess des Zusammenwachsens respektiert; was sind Grundlagen eines gesunden sozialen Zusammenlebens und unter welchen Bedingungen kann innerstaatliches, wirtschaftliches Wohlergehen bestehen? Mit diesen hoch spannenden Ausführungen wird nicht nur die aktuelle Brüsseler Politik durchleuchtet, auch Freude am Europagedanken wird wach!
Wer in die Zukunft denken will, muss erst die Vergangenheit verstehen. Mit diesem Ansatz macht sich der Autor auf eine faszinierende Reise durch die letzten Jahrhunderte bis zum Beginn Europas- so werden modernes (und postmodernes) Bewusstsein in Bezug auf Egoismus und Individualismus sowie Nationalismus und Nationalität erst richtig verständlich! Kompetent durchforscht Fritz Frey hegemonial agierende Reiche wie das römische oder napoleonische auf ihre Kernaspekte und veranschaulicht Zusammenhänge der Staatenentwicklung in Bezug auf Ökonomie und Kultur. Wie entsteht letztere und wie wirkt sie auf die politische Klasse? Unter Einbezug soziologischer und anthropologischer Erkenntnisse werden gesellschaftliche Evolution und individuelle Emanzipation anhand des alten theokratischen Griechenlands und des kaiserlichen Roms dargestellt. Wie wirken Zerfall des Römischen Reiches, Bildung der Nationalstaaten, Weltkriege und EU-Aufbau auf die Menschen? Hier wird ein hoch interessanter Bogen gespannt von der Antike bis heute, der keine Fragen offen lässt! Oder doch? Dann sollten Sie weiterlesen, denn auch die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Strukturen sowie ihre Wirkungen auf das menschliche Wohlergehen werden detailreich und mit grossem Engagement für wahre Individualität versus einsam machenden Egoismus geschildert.
Der Autor:
Fritz Frey, Jahrgang 1949, ist diplomierter Pädagoge. Er hat sein Studium in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgeschlossen und sich seither vor allem mit der Geisteswissenschaft und den Resultaten der Systemtheorie in Gen- und Gehirnwissenchaft auseinandergesetzt. In öffentlichen Referaten zur Thematik und Kursen erarbeitet er seit 1992 in öffentlichen und privaten Institutionen wie Spitälern und Schulen wirklichkeitsgemäße Kommunikationskonzepte.
Alle Veröffentlichungen des Autors, gelistet in der Deutschen Nationalbibliothek
Leseprobe:
Vorwort
Die Frage nach dem »alten« und dem »neuen Europa« wurde spätestens im Vorfeld des dritten Golfkrieges (Krieg gegen den Irak, 2003) aktuell, als Donald Rumsfeld (US-Verteidungsminister unter G.W. Bush von 2001-2006) spöttisch diese Begriffe für die Kriegs-Koalitionswilligen (neues Europa) und die Koalitionsunwilligen (altes Europa) gebrauchte. Wer sich nicht vorher schon Gedanken darüber gemacht hatte, wie die Vergangenheit Europas in einem Verhältnis zu seiner Zukunft betrachtet werden kann, konnte durch diese Bemerkung Donald Rumsfelds aufgeweckt werden. Keineswegs klar ist es jedoch, was er mit seiner Äußerung unter »altem Europa« und unter »neuem Europa« zu jenem Zeitpunkt verstand und was er damit sagen wollte. Er konnte mit dem »alten Europa« bestimmt nicht das kriegerische Europa zu Beginn und zum Ende des 19. und jenes vor den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts gemeint haben, denn dieses Europa hätte sich wohl seinen heutigen Macht- und Hegemonialbestrebungen kriegerisch gegenübergestellt, was in unserer Zeit undenkbar ist. Er kann auch nicht das Europa des kalten Krieges gemeint haben, das in ständiger Bedrohung durch die Supermacht UdSSR froh und dankbar war für den Atomschirm, den die USA über Westeuropa hielten. Denn dieses Europa war den USA dadurch ebenso verpflichtet, wie durch den wirtschaftlichen Aufbauplan nach dem zweiten Weltkrieg (Marshallplan). Wer sich länger darüber Gedanken macht, kommt darauf, dass er mit dem »alten Europa« das Europa der Gleichgewichte gemeint haben könnte, das Europa der Kunst der Vermittlung zwischen Staaten, die durch sich widersprechende Interessen in Konflikt geraten. Das Europa der Diplomatie, das nach dem Wienerkongress im 19. Jahrhundert doch für kurze Zeit eine friedliche Entwicklung zwischen den sich bildenden Nationalstaaten ermöglichte. Nehmen wir an, er machte sich über diese Art von »altem Europa« lustig und er lobte das »neue Europa« der Mitmacher beim Irak-Krieg als jenes Europa, welches den USA und ihrem Hegemonialbestreben kritiklos und hörig nachfolgt. Es war ein merkwürdiger Augenblick der Geschichte, als ersichtlich wurde, auf welche Art allen voran Großbritannien, dann Italien, Spanien, Polen, Portugal, Albanien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Georgien, Island, Lettland, Litauen, Mazedonien, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik, die Ukraine und Ungarn als europäische Länder in die sog. »Koalition der Willigen« eintraten. Und dies zum großen Teil entgegen dem Willen der jeweiligen Bevölkerung. Es ist dies ein seltsames historisches Phänomen, das zeigt, wie die USA auf diese Art den Willen der UNO unterlaufen konnten und sich damit die Legitimation zum Präventivkrieg gegen den Irak selber gaben.
Das »neue Europa« das an der Koalition der Willigen teilhatte, sah sich nach dem zwischenzeitlichen Erfolg des »Sieges« gegen den Irak in seiner Haltung bestätigt. Aber das Erwachen zur Selbstbesinnung und damit zum Verlassen dieser fragwürdigen Koalition kam bald, als sich der Krieg mehr und mehr in die Länge zog. Wer vermag es, heute das Ende dieses Krieges und des Elendes im Irak abzusehen?
Durch den Verlauf der Kriege im Irak und in Afghanistan und durch das Durchsickern der wirklichen Hintergründe, die zu diesen Kriegen geführt haben, wurde erreicht, dass der Vorwand, sich des Terrors entledigen zu wollen, sich immer mehr als strategische Planung zur Hegemonie im Nahen Osten und in Zentralasien entpuppte.
Welche Rolle spielen aber dabei das »alte« und das »neue Europa«? Welches Europa wird sich zu einer Kraft entwickeln, zu einem wirklich neuen Europa, welches nicht in einer Koalition der Willigen einer weltweiten Führungsmacht gehorsam zu folgen hat? Wird es ein Europa sein, das die Menschenrechte nicht der gerade herrschenden politischen »guten Ordnung« entsprechend anpasst und Entführungen von Verdächtigen in geheime CIA-Gefängnisse zulässt und auch unter der suggerierten Angst vor dem provozierten Terror auch mal ein »bisschen« foltern lässt, wie dies die weltweit einzige Supermacht USA praktiziert. Dieses Buch will der Möglichkeit eines selbständigen Europa und dessen Rolle, die es im weltweiten Kräftespiel einnehmen könnte, nachgehen. Es soll, gegeben durch die historische Symptomatologie, auch untersucht werden, ob es nicht Gesetzmäßigkeiten der sozialen und staatlichen Entwicklung gibt, die berücksichtigt sein wollen, wenn man von einer gesunden gesellschaftlichen Evolution sprechen will. Dies soll unter drei Aspekten geschehen:
Individualisierung und Emanzipation des Menschen.
Notwendige Grundlagen zum sozialen Zusammenleben.
Größtmögliches Wohl einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen innerhalb von staatlichen Gebilden.
Der Begriff »altes Europa« wird nicht in der Form gebraucht, wie oben charakterisiert. Unter dem »alten Europa« wird die geschichtliche Entwicklung bis zur Französischen Revolution Ende des 18., aufweiche die Industriellen Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts folgt. Der Wandel der darauf durch das Entstehen der Nationalstaaten vor sich ging, führte zum Ersten Weltkrieg und mit dem Ende des Ersten und des Zweiten Weltkrieges in den totalen, aufwühlenden Umbruch von Europa, der bis heute andauert. Das ist der Zeitpunkt, zu welchem die USA in die Geschicke Europas eingriffen. Der Blick in die Zukunft ist einem Europa gewidmet, das seine vollständige Eigenständigkeit und seinen dynamischen Gleichgewichtscharakter zwischen Ost und West erkennt und ihn als Aufgabe in der Geschichtsentwicklung begreift. Die Hegemonialbestrebungen einer Macht, die von einer bestimmten Elite geführt wird, können der Vielfalt in der Menschheit nicht gerecht werden. Das visionäre Europa hat die Aufgabe, diese Vielfalt in ihrer Bedeutung bewusst zu machen, zu pflegen und zu zeigen, dass nicht die weltweite Gleichschaltung durch die zum Demokratismus erstarrte Demokratie, die global durchgesetzt werden soll, die Lösung sein kann.
erstellt am: 20.09.2008
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