Buchbesprechung Ein spannender Agentenkrimi im historischen England.
Ein bisschen Geschichte lernt man ganz nebenbei gleich mit.
Inhalt:
England im Jahre 1583: Sir Francis Walsingham, Erster Sekretär der Königin und Herr über ein weitgespanntes Agentennetz, kennt nur ein Ziel: Er will endlich den »Greif« enttarnen, einen Spion, der den Briten das Leben zunehmend schwermacht. Und dazu benutzt er eine Unschuldige: die schöne Marianna Ashton.
Walsingham, der Mariannas kleinen Sohn hat entführen lassen, vermutet den Greif im Umkreis von Freunden Mariannas, den Fleetwoods. Er zwingt die verzweifelte Mutter, für ihn Spitzeldienste auszuführen – andernfalls werde sie ihr Kind nie wiedersehen.
Wohl oder übel muss Marianna zustimmen und begibt sich auf den Landsitz der Fleetwoods. Dort verliebt sie sich in James, den Freund der Familie. Sie ahnt nicht, wer sich hinter diesem liebenswerten Taugenichts wirklich verbirgt. Es beginnt ein gefährliches Spiel um Liebe und Politik, in das Marianna und ihr Sohn immer tiefer verstrickt werden …
Der Autor:
Sandra Lessmann wurde 1969 geboren. Nach der Fachhochschulreife lebte sie fünf Jahre lang in London, wo ihre Liebe zu England erwachte. Zurück in Deutschland studierte sie Geschichte, Anglistik, Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften in Düsseldorf. Ihr besonderes Interesse galt der englischen Geschichte. Nach dem Studium arbeitete sie am Institut für Geschichte der Medizin, doch ihre wahre Leidenschaft ist seit der Kindheit das Schreiben. »Sündenhof« ist nach »Die Richter des Königs«, »Die Sündentochter« und »Das Jungfrauenspiel« ihr vierter Roman.
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Bemerkungen:
Weitere Werke des Autors, vom Büchervielfraß vorgestellt:
Die Richter des Königs
Alle Veröffentlichungen der Autorin, gelistet in der Deutschen Nationalbibliothek
Leseprobe:
Der kleine Segler wiegte sich gemächlich im leichten Wellengang des Hafens von Calais. Ein starker Geruch nach Fisch, Tang und Salz lag in der Luft. Das Geschrei der Möwen, die auf der Suche nach Abfällen tief über das Wasser glitten, verband sich mit den rauen Stimmen der Seeleute. Es herrschte rege Betriebsamkeit. Fässer wurden über das steinerne Pflaster gerollt, Kisten und Bündel zu wartenden Booten geschleppt.
Roger Ashton nahm die Hände seiner Gemahlin und drückte sie herzlich.
»Seid Ihr sicher, dass Ihr diese gefährliche Reise auf Euch nehmen wollt, meine Liebe? Noch ist Zeit, Eure Meinung zu ändern.« Marianna Ashtons grüne Augen hoben sich zu dem Gesicht ihres Mannes. Entschieden schüttelte sie den Kopf.
»Bitte versteht doch! Von dem Moment an, als sie mir Nathaniel weggenommen haben, suche ich nach einem Weg, ihn zurückzubekommen. Ich will nicht, dass er eines Tages seine Mutter vergisst. Ich bin Euch ins Exil gefolgt, weil ich glaubte, Ihr wüsstet Rat.« Er senkte die Lider. »Es tut mir leid. Wenn ich geahnt hätte, dass man Euch Nat fortnehmen und ihn in die Obhut meines Vetters geben würde, hätte ich euch früher zu mir geholt. «
»Ich gebe Euch keine Schuld. Aber ich muss einen Versuch unternehmen, Nat aus England herauszubringen. Auch wenn er nicht -«
Ashton unterbrach sie. »Schon gut, Ihr braucht nichts weiter zu sagen. Ihr wisst doch, dass ich Euch längst vergeben habe. Trotzdem habe ich Angst um Euch. Walsinghams Spitzel sind überall. Wenn man Euch erkennen sollte... «
Beschwichtigend legte Marianna die Hand auf den Arm ihres Gatten.
»Ich habe doch einen Pass auf einen anderen Namen. Niemand rechnet damit, dass ich nach England zurückkehre.«
»Es wäre meine Pflicht als Euer Herr und Beschützer, Euch auf dieser Reise zu begleiten. «
»Nein! Ihr wisst sehr gut, dass es unvernünftig wäre. Wenn man Euch in England aufgreift, wird man Euch wegen Hochverrats hinrichten. Mir als Frau werden sie dagegen nichts tun. Wünscht mir Glück, mein Gemahl. «
»Ich werde hier in Calais auf Eure Rückkehr warten. Möge Gott Euch schützen!«
Nur widerwillig ließ Roger Ashton die Hände seiner Gemahlin los und wandte sich an den Diener, der mit einem Bündel über der Schulter hinter ihr stand.
»Christopher, achte gut auf deine Herrin! Ich vertraue dir ihre Sicherheit an. Enttäusche mich nicht!«
Der große, kräftig gebaute, junge Mann neigte leicht den Kopf. »Ja, Sir!«
Christopher war sich der Verantwortung wohl bewusst. Er diente seinem Herrn bereits von Kindheit an und verehrte dessen Gemahlin.
Marianna Ashton wandte sich ohne ein weiteres Wort von ihrem Gatten ab, winkte ihrer Magd Judith und ließ sich von dem Diener an Bord helfen. Der Segler würde sie und einige andere Passagiere zu dem Postschiff bringen, das in tieferem Gewässer vor Anker lag. Roger Ashton blieb noch lange auf der Mole stehen und beobachtete, wie das Schiff die Segel setzte, den Anker lichtete und langsam den Hafen verließ. Erst als es nur noch ein heller Fleck am Horizont war, riss er sich von dem Anblick los und suchte eine der Kirchen der kleinen Stadt auf, um für Mariannas sichere Rückkehr zu beten.
erstellt am: 05.04.08
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