Letzte Aktualisierung: 07.05.2009

 



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Der stille Schüler
von Parker, Robert B. <übersetzt von: Böhmert, Frank> (USA)

Genre:

Krimi

Stichwörter:

Schule, Morde, Geiselnahme

Verlag:

Pendragon

ISBN:

978-3-86532-068-1

Format:

kartoniert, 224 S.

Erscheinungsjahr:

englisch 2005, deutsch 2007

Preis:

€ (D) 9,90



Buchbesprechung

Eine raffiniert aufgebaute Handlung, höchst aktuell, ausgefeilte Charaktere, drehbuchreife Dialoge und ein psychologisch klar durchdachter Aufbau.
Robert B. Parker ist ein ebenbürtiger Nachfolger Raymond Chandlers, als den er sich selbst auch begreift.
Nicht nur vom Sujet und der Handlung her, sondern auch literarisch ein Genuss.


Inhalt:
Der Privatdetektiv Spenser wird von Lily Ellsworth angeheuert, die Unschuld ihres 17-jährigen Enkelsohnes Jared Clark zu beweisen. Ihm wird zur Last gelegt, gemeinsam mit seinem Mitschüler Wendell Grant fünf Schüler, den stellvertretenden Dekan und eine Spanischlehrerin erschossen und weitere Personen von der Dowling Privatschule verletzt zu haben, bevor sich die beiden mit Geiseln in der Bibliothek verbarrikadierten. Einer Spezialeinheit der Polizei gelingt es zwar die Geiselnahme zu beenden, aber nur einer der Täter, Wendell Grant, kann gefasst werden. Grant gibt Jared Clark als Mittäter an, der schließlich ein Geständnis ablegt. Der Fall scheint abgeschlossen. Die beiden Täter warten im Gefängnis nur noch auf ihre Verurteilung. Nach ersten Befragungen ist Spenser zunächst selbst von der Schuld Jared Clarks überzeugt. Neugierig macht ihn allein das allgemeine Desinteresse an den Hintergründen der Tat. Die Polizei, die Schulleitung, aber auch Jareds Eltern scheinen die Ereignisse vor allem möglichst schnell hinter sich lassen zu wollen. Spenser hingegen lässt die Frage nach dem Motiv nicht mehr los. Gerade weil er von allen Seiten auf Widerstand stößt, ermittelt er weiter und entdeckt, dass der Fall des stillen Schülers noch längst nicht zu den Akten gelegt werden kann.

Der Autor:
Robert B. Parker
wurde 1932 geboren. 1971 promovierte er an der Universität Boston über die »Schwarze Serie« in der amerikanischen Kriminalliteratur. 1973 erschien sein erster Roman und bereits 1976 erhielt er für den Titel »Auf eigene Rechnung« den Edgar Award für den besten Kriminalroman des Jahres. Parker lebt heute in Boston.

Mehr über den Autor in Wikipedia

Alle Veröffentlichungen des Autors, gelistet in der Deutschen Nationalbibliothek

Leseprobe:
Susan war auf einem Therapeutenkongress in Durham, North Carolina, um dort einen Vortrag zu halten, also hatte ich Pearl. Sie machte in meinem Büro ein Nickerchen auf der Couch, die dort hauptsächlich für diesen Zweck stand, als eine gut aussehende ältere Frau mit irgendeiner Art großem Album hereinkam und sie störte. Pearl sprang von der Couch, stellte sich neben mich, senkte den Kopf und knurrte leise.
Die Frau sah sie an. „Was für eine Art Hund ist das?"
„Ein Deutsch Kurzhaar. "
„Sind die nicht braun mit weißen Flecken?"
„Nicht immer. "
„Wie heißt sie?"
„Pearl. "
„Hallo, Pearl. " Die Frau ging zu meinem Klientenstuhl und setzte sich. Pearl verließ meine Seite und schnupperte vorsichtig an den Knien der Frau. Die Frau tätschelte ihr ein paar Mal den Kopf. Pearl wedelte leicht mit dem Schwanz und ging wieder zur Couch.
Die Frau legte ihr großes Album auf meinen Schreibtisch. „Ich führe dieses Sammelalbum seit dem Tag, an dem mein Enkel verhaftet worden ist. "
„Schön, wenn man ein Hobby hat. "
„Es ist weit mehr als ein Hobby, junger Mann. Es ist die vollständige Dokumentation von allem, was passiert ist. "
„Das könnte sich als nützlich erweisen. "
„Ich will es hoffen. "
Sie schob es mir entgegen. „Ich möchte, dass Sie es sich genau ansehen. "
Ich nickte. „Lassen Sie es mir hier?"
„Es ist für Sie. Ich habe noch eine Kopie für mich. "
Die Frau hieß Lily Ellsworth. Sie hielt sich kerzengerade, hatte weiße Haare und war recht modisch gekleidet. Zu alt für mich, aber ich hoffte, Susan würde einmal so gut aussehen, wenn wir in dieses Alter kamen. So reich zu sein, wäre auch angenehm.
„Und nachdem ich es mir genau angesehen habe, Ma'am, was möchten Sie gern, dass ich dann tue. "
„Beweisen, dass mein Enkel unschuldig im Sinne der Anklage ist. "
„Und wenn er es nicht ist?"
„Er ist unschuldig. Ich werde keine andere Möglichkeit in Erwägung ziehen. "
„Soweit mir der Fall bekannt ist, wurde er gemeinsam mit einem anderen Jungen angeklagt. "
„Über den anderen Jungen habe ich keine feste Meinung. Seine Schuld oder Unschuld hat für mich keinerlei Konsequenzen. Aber Jared ist unschuldig. "
„Wie kommt es, dass Sie damit zu mir kommen?"
„Wir werden seit Jahren durch Cone Oakes vertreten. Ich habe unseren Familienanwalt gebeten, sich umzuhören. Er hat mit ihren Strafrechtlern gesprochen, und die haben Sie empfohlen. "
„Wird Ihr Enkel auch durch Cone Oakes vertreten?"
„Nein. Seine Eltern haben darauf bestanden, selbst jemanden mit der Verteidigung zu beauftragen."
„Zu schade. In ganz Massachusetts kann niemand mit Cone Oakes mithalten. "
„Sollten Sie diesen Fall übernehmen und ihren Strafverteidiger konsultieren müssen, können Sie sein Honorar gern bei den Spesen mit aufrühren. "
„Ihr Honorar. Es ist eine Sie. "
Mrs Ellsworth nickte ernst und äußerte sich nicht weiter dazu. „Wissen Sie, wen seine Eltern beauftragt haben?"
„Sein Name ist Richard Leeland. Er ist ein Bundesbruder meines Schwiegersohns. "
„Oh. "
„Sie haben noch nie von ihm gehört?"
„Nein, aber das heißt nicht, dass er nicht gut ist. "
„Mag sein. Aber in der gleichen Verbindung wie Ron zu sein, stellt noch lange keine Empfehlung dar. "
„Ron ist demnach Ihr Schwiegersohn. "
„Ron Clark. Ich kann mich noch sinngemäß an eine Passage in Die Nackten und Toten erinnern, wo jemand einen Mann als ‘Westchester County, Cornell, ein Delta Kappa Epsilon und ein ausgemachter Idiot' beschreibt. Mailer hätte das über meinen Schwiegersohn schreiben können. Außer dass Ron in Greenwich aufgewachsen ist und in Yale studiert hat. "
„Ein Mensch kann seine Herkunft hinter sich lassen. "
„Ich frage mich, ob Ihnen das gelungen ist. Sie kommen mir ein wenig flott vor. "
„Flott?"
„Ein Schlauberger. "
„Hui. Es ist Jahre her, dass mich jemand Schlauberger genannt hat. "
„Ich bin vielleicht nicht auf der Höhe der Zeit, was meine Umgangssprache betrifft. Aber ich kenne die Menschen. Sie sind ein Schlauberger. "
„Ja. Das bin ich. "
„Aber nicht nur ein Schlauberger. "
„Nein. Ich habe noch andere Qualitäten. "
„Und die wären?"
„Ich bin hartnäckig. Und furchtlos. Und ziemlich clever. "
„Und bescheiden. "
„Das auch. "
„Wenn ich Sie in dieser Sache engagiere, werden Sie dann Jareds Wohlergehen über alles andere stellen?"
„Nein. Ich stelle Susan Silvermans Wohlergehen über alles andere. "
„Ihre Liebste?"
„Hm-mmm.“
„So sollte es auch sein. Sonst noch irgendwelche Probleme, vor denen ich gewarnt sein sollte?" „Ich lasse mir nicht gern etwas vorschreiben. "
„Nein. Ich auch nicht. "
„Und", sagte ich, „Sie müssen verstehen, dass ich nicht die Unschuld Ihres Enkels beweisen werde, wenn er schuldig ist."
„Er ist nicht schuldig."
„Okay. Ich werde tun, was ich kann."


erstellt am: 29.03.08

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