Letzte Aktualisierung: 07.05.2009

 



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Das Erbe des Bösen

Das russische Labyrinth

Transsibirische Eisenbahn

Festung Breslau

Die Stadt im Westen

Mönche, Meuchler, Minnesänger
von Ktieger, Günter [Hrsg.] (Deutschland)

Genre:

Krimi Kurzgeschichten

Stichwörter:

Mittelalter

Verlag:

Bookspot Verlag

ISBN:

978-3-937357-22-5

Format:

gebunden, 230 S.

Erscheinungsjahr:

2007

Preis:

€ (D) 14,80



Buchbesprechung

Eine spannende Art, ins Mittelalter hinab zu tauchen.
Zwölf anerkannte Schriftsteller lassen die Zeit für uns wieder aufleben.
Auf diese Art am Mittelalter teil zu haben – im warmen Zimmer, bei einem Glas Wein und einem Pfeifchen – lasse ich mir gefallen; was für ein Glück, dass ich ein „Spätgeborener“ bin.


Inhalt:
Vorwort
Sie haben ein Faible fürs Mittelalter?
Sieht ganz so aus, sonst würden Sie dieses Buch nicht in den Händen halten.
Aber warum, zum Teufel, mögen Sie diese düstere Zeit? Fast alles, was uns Heutigen das Leben verschönt und erleichtert, war damals noch nicht erfunden. Die durchschnittliche Lebenserwartung des mittelalterlichen Menschen betrug nicht einmal vierzig Jahre. Epidemien konnten ganze Landstriche entvölkern. Ärzte - es waren meistens echte Quacksalber - waren machtlos gegen diese Seuchen. Missernten führten zu Hungersnöten, harte Winter verlangten den Menschen alles ab. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, und die soziale Ungerechtigkeit schrie zum Himmel. Dauernd wurden Kriege geführt; Kreuzzüge gegen Ungläubige oder Ketzer fanden beinahe so häufig statt wie heutzutage eine Fußball-WM. Öffentliche Bestrafungen und Hinrichtungen waren echte Events. Der Wert eines Menschenlebens, so könnte man mutmaßen, besaß keinen hohen Stellenwert.
Also: Das Mittelalter war nicht sonderlich romantisch. Mord und Totschlag allerorten. Und dennoch mögen Sie diese Epoche?
Sie gehören offenbar zu den hoffnungslosen Fällen. Aber vielleicht können wir Ihnen ja helfen. Elf bekannte Kolleginnen und Kollegen sowie meine Wenigkeit werden Ihnen haarsträubende Geschichten aus dem Mittelalter erzählen: über Mönche, Meuchler und Minnesänger. Bitte sehr, Sie selbst haben es so gewollt.
Günter Krieger
Herausgeber


Die Bilsenmarie von Dagmar Trödler
Arthurs letzte Liebe von Peter Erfurt
Tot seit tausend Jahren von Dieter H. Schmitz
Des Teufels Rezepturen von Belinda Rodik
Der süße Duft des Todes von Petra Balzer de Garcia
Die achte Konkubine von Eric Walz
Der Räuber von Titus Müller
Königsopfer von Tanja Kinkel
HakonJarlsEnde von Rüben Wickenhäuser
Schlachtfest auf dem Lechfeld von Günter Krieger
Die Maikönigin von Kirsten Schützhofer
Der zweimal verschenkte Prinz von Walter Laufenberg
Die Autorinnen und Autoren


Die Autoren:
Petra Balzer de Garcia
, war nach ihrem Studium der Romanistik als Verlagsmitarbeiterin tätig, zuletzt als Redaktionsleiterin bei „Weltbild Sammler-Editionen". Seit 1999 arbeitet sie als freie Autorin und Übersetzerin aus dem Spanischen. Sie lebt mit ihrer Familie in Augsburg.
Weitere Informationen unter www.petra-balzer.de

Peter Erfurt, Jahrgang 1950, lebt unter seinem richtigen Namen Burkhard P. Bierschenck in München und der Bretagne, er schreibt Sachbücher, Romane, Kurzgeschichten und Gedichte. 1976 Literaturpreis Arbeitswelt, Zürich. Zahlreiche Kurzgeschichten-Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, außerdem Romane.
www.bierschenck.de

Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, gewann bereits mit 18 Jahren ihre ersten Literaturpreise. Studium der Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft, Promotion über Lion Feuchtwangers Auseinandersetzung mit dem Thema Macht.
Tanja Kinkels Bücher wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Sie spannen den Bogen von der Gründung Roms bis zum Amerika des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Mehr Informationen: www.tanja-kinkel.de

Günter Krieger, Herausgeber des vorliegenden Bandes, Jahrgang 1965, lebt in Langerwehe bei Düren. Seit 1999 ist der gelernte Krankenpfleger auch als freier Autor tätig, verarbeitet vor allem (regional-) geschichtliche Ereignisse des Mittelalters zu historischen Krimis, Romanen und Jugendbüchern. Viele seiner Werke beleuchten die Geschichte der Eifel und des Rheinlandes.

Walter Laufenberg, Rheinländer, vom Studium her Jurist, Volkswirtschaftler und promovierter Sozialwissenschaftler, war Fernsehreporter beim WDR und ZDF, freier Filmemacher, Verlagslektor und Werbeleiter. Langjähriger Autor der Kultzeitschrift „TransAtlantik". Seit dem Jahreswechsel 1995/96 Herausgeber des literarischen Online-Magazins „LaufenbergNETzine" (www.netzi-ne.de). Lebt zurzeit in Mannheim.

Titus Müller, 1977 in Leipzig geboren, studierte neuere deutsche Literatur, Mittelalterliche Geschichte und Publizistik in Berlin. Er veröffentlichte mit 24 Jahren seinen ersten historischen Roman. Außerdem ist er Herausgeber und Mitautor zweier historischer Gemeinschaftsromane, die in zahlreichen Auflagen zu Bestsellern avancierten. 2005 gewann er als erster Autor den C. S. Lewis-Preis und wurde von der Universität Tübingen im Rahmen des Würth-Literaturpreises ausgezeichnet.
Weitere Informationen unter www.titusmueller.de

Belinda Rodik, geboren 1969 in Österreich, arbeitete zunächst als Journalistin, später als Werbetexterin. Heute ist sie freie Autorin, schreibt historische Romane, historische Krimis, Kurzgeschichten, Bücher für Kinder und Jugendliche mit geschichtlichen oder phantastischen Themen. Außerdem ist sie als Herausgeberin tätig.

Dieter Hermann Schmitz, Jahrgang 1963, lebt seit vielen Jahren in Finnland und arbeitet dort als Dozent an der Uni Tampere. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Neben wissenschaftlichen Artikeln veröffentlichte er mehrere Bände mit humorvollen Kurzgeschichten aus seiner rheinischen Heimat, ein Buch über finnische Witze, einen Roman (unter Pseudonym) sowie ein Kinderbilderbuch. Nebenher ist er seit längerem als Lehrbuchautor tätig. Der Beitrag für diese Anthologie ist sein zweiter Kurzkrimi.

Kirsten Schützhofer, geboren 1972, studierte Englisch und Deutsch in Frankfurt am Main und Dublin/Irland sowie Bibliothekswesen in Leipzig. Längere Aufenthalte verbrachte sie am Goethe-Institut in Bordeaux, an den Archives de Paris und an Bibliotheken in Colmar und Umgebung.
Informationen zu Kirsten Schützhofer und ihren Romanen finden sich auf www.kirsten-schuetzhofer.de

Dagmar Trödler, Jahrgang 1965, geboren und aufgewachsen im Rheinland, arbeitete zunächst als Krankenschwester. Parallel dazu studierte sie in Saarbrücken, Köln und Aachen Geschichte und skandinavische Philologie. Noch während des Studiums begann sie ihren ersten Roman. Seit 2002 arbeitet sie ausschließlich schriftstellerisch Nebenher schreibt sie Kolumnen und Texte im Pferdebereich. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Islandpferden in der Voreifel.

Eric Walz, geboren 1966 in Königstein im Taunus. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er mehr als zehn Jahre lang in verschiedenen Branchen und Positionen im Rhein-Main-Gebiet und in Berlin. Eine berufliche Krise nutzend, erfüllte er sich im Jahr 2001 den Jugendtraum, Bücher zu schreiben. Eric Walz lebt heute als freier Autor im Stuttgarter Umland.

Rüben Wickenhäuser, ist promovierter Historiker, Initiator von „Quo Vadis" und arbeitet als freier Schriftsteller und Koordinator des Freien Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie in Berlin.


Leseprobe:
Die Bilsenmarie
Der Herbergsgast starrte schon geraume Zeit auf die flinken Finger der Wirtin. Ohne in seinen Napf zu schauen, schaufelte er sich den Eintopf in den Mund und achtete nicht darauf, dass ihm das Suppenwasser zwischen den Lippen herausrann und fettige Tropfen zwischen den Barthaaren hängen blieben. Vielleicht war es auch Wasser, was ihm im Mund zusammenlief, als Marie, die Frau des Wirtes Zum Goldenen Teich, den Zeigefinger in ihren Ausschnitt steckte und sich ungeniert zwischen ihren Brüsten kratzte. Dort standen nämlich Schweißtropfen, weil Marie über den Kessel gebeugt stand. Der aufsteigende Dampf schien sich vorgenommen zu haben, komplett in ihrem appetitlich prallen Ausschnitt zu verschwinden. Mancher Mann an diesem Frühlingsabend im Jahre des Herrn 1085 beneidete die Schweißtropfen, die genüsslich an der Haut herabperlten.
Jetzt zuckte ihre schwarze Braue zweimal. Sie hatte seinen Blick gesehen.
„Noch ein Häppchen, werter Herr?" Sie kam mit der Kelle an und hielt sie ihm unter die Nase. Der Duft von Rosmarin und Liebstöckel umwehte sie wie ein zärtlicher Liebhaber.
„Ja gerne", krächzte der Gast, gleich darauf schwappte die gelbliche Masse in seinen Napf und Maries Gesicht erschien mit breitem Lächeln direkt vor seinen Augen.
„Lasst es Euch schmecken, werter Herr. Bei mir seid Ihr stets in guten Händen. " Damit rutschte sie auf die Bank und drängte sich neben ihn, misstrauisch beäugt von Arnulf, ihrem Gatten, der schwitzend am Kamin stand und das Feuer schürte. „Bei mir seid Ihr in guten Händen... " Selbige glitten über seinen mageren Rücken, an der Schulter entlang und vorn über die Brust herunter zum Gürtel, dort trennten sie sich, die eine erkundete den Inhalt seines Schritts, die andere befühlte zärtlich den Inhalt seiner Geldkatze. Gurrend ermunterte sie ihn, weiterzuessen und ließ ihre sorgfältig mit Rosenöl gefetteten Hände dazu musizieren.
„Ich hätte auch süße Kirschen, wenn Ihr mögt. Süße Kirschen, werter Herr. Rote, süße, saftige... was glotzt du so? Scher dich fort!" Dieser unfreundliche Nachsatz galt freilich nicht dem Gast, sondern Agnes, die neben dem Kessel in der Asche hockte und den Boden fegte, wie man ihr noch vor wenigen Augenblicken barsch befohlen hatte.
Agnes war das neue Küchenmädchen, ein spitznasiges, schmalgesichtiges Ding mit flinken Augen und viel zu mageren Armen, als dass sie harte Arbeit verrichten konnte. Nun, das würde sie hier schon noch lernen. Sie stammte aus einem Armenhaushalt in der Eifel, und Marie hatte sie vor ein paar Wochen gegen einen Sack grobes Mehl in ihre Dienste genommen, weil sie ungewöhnlich gut mit dem Vieh umzugehen wusste und emsig in der Küche war. Anfangs war ihr das Mädchen wie ein Schatten gefolgt, hatte alles, was sie im Wirtshaus sah und hörte, in sich aufgesogen, und Marie erinnerte sich nicht daran, dass es jemals nötig gewesen wäre, ihr etwas zweimal zu sagen. Inzwischen jedoch war Agnes' Neugier lästig geworden, daher warf die Wirtin ihren Suppenlöffel nach der Magd, in der Hoffnung, sie zu vertreiben. Der Löffel schepperte nur ärgerlich über die glasierten Fliesen, auf die Arnulf so stolz war, weil niemand sonst seinen Fußboden so ausstaffierte - das Mädchen traf er nicht. Die rutschte einfach hinter die Feuerstelle, bewegte den Reisigwisch hin und her und beobachtete die Dame des Hauses weiter. Was schwatzte sie dem Herrn nur das Essen so auf? Was drängte sie sich ihm an den Leib, wo der Wirt keinen Steinwurf entfernt hinter den Bierfässern nach ihren Handgriffen lauerte? War sie mannstoll? Oder war es wieder einer, der Neuigkeiten von der Welt außerhalb des Goldenen Teiches brachte und den man becircen musste, die Neuigkeiten auch alle zum Besten zu geben? Mit Neuigkeiten lebte ein Wirtshaus, so hatte sie gelernt, und alle, die welche versprachen, wurden besonders gut behandelt. Wie der Bote gestern, der verkündete, Kaiser Heinrich IV. sei aus Rom zurückgekehrt, wo er einen neuen Papst ins Amt gesetzt habe.
Der Kaiser! Schon der Bote war Agnes wie ein Kaiser vorgekommen in seinem samtenen Wams mit dem bestickten Besatz und den vornehmen Stiefeln, eine kaiserliche Sonne, die ihre kleine, schmutzige Aschenwelt in Licht tauchte. Ihr war es bislang nicht vergönnt gewesen, etwas von der großen Welt mitzubekommen, und das Kommen und Gehen der verschiedenen Gäste war sehr aufregend für sie. Marie hatte dem Boten denn auch einen besonders guten Platz zugewiesen, um ihn dort persönlich zu bedienen und noch mehr Geschichten aus ihm herauszulocken.
Der heutige Gast trug bescheidenere Kleidung und saß trotzdem auf der für die vornehmen Gäste gepolsterten Bank am Feuer, aufrecht wie ein Stock und unnahbar, der Rest des Gasthauses schien ihn nicht zu interessieren. Er war mager, mit schmalen Lippen, und stierem Blick - sobald er Maries Busen ansichtig wurde, wurde der Blick gierig. Dann leckte er sich die Lippen und ersäufte seine aufkommende Lust in den Bierkrügen, die sie ihm aufrührte und hinstellte, und dünne Rinnsale fingen sich in seinem schütteren Bart. Das Einzige, was gut an ihm aussah - das hatte die schöne Wirtin ganz richtig erkannt - war der prallgefüllte Geldbeutel aus besticktem, weichem Rehleder. Ihr Busen drängte denn auch fordernder an der Schulter ihres Gastes. ….


erstellt am: 17.02.2008

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