Buchbesprechung Ein selten gut gelungener Text-Bildband über Weihnachten.
Einzigartige und einmalige (im doppelten Sinn des Wortes) Abbildungen von Gemälden, Altären und Skulpturen – um die zu sehen, man lange und weit reisen müsste; viele sind zum ersten Mall abgebildet –, ausgesucht und zusammengestellt mit bemerkenswerter Feinfühligkeit und herausragendem Wissen.
Theologische, kunsthistorische, geschichtliche, volkskundliche und wissenschaftliche Beiträge machen dieses einmalige Werk für jeden zu einem Genuss – ganz gleich welche Facette des Weihnachtsfestes ihm am Herzen liegt: Wissen, Kontemplation, Mystik, Ästhetik.
Es ist wunderbar, dass es solche Bücher – und vor allem Menschen, die solche Bücher machen – noch gibt.
Das Buch zeigt – ob man nun religiös geprägt ist oder nicht –, was Weihnachten eigentlich bedeutet und welche immense kulturelle Bedeutung es hat.
Und wirklich …. es ist ein Augenschmaus.
Das Buch ist DAS Weihnachtsgeschenk schlechthin.
Inhalt:
Eine Schatztruhe weihnachtlicher Sternstunden der Kunst mit vielen, vielen Beispielen aus allen Epochen, dazu Gedichte, Bräuche und Legenden, Weihnachtsbäckerei und ein Festtagsmenü der Sterneköchin Léa Linster!
Ein Buch für alle Sinne – für die ganze Familie:
Ein Buch der Vorfreude auf das Weihnachtsfest, für besinnliche Lese- oder Vorlesestunden.
Eine Reise durch die Kunstgeschichte, die anschaulich das Weihnachtsgeschehen vor Augen führt. Von namhaften Autoren mit dem Herzen geschrieben.
Das reich illustrierte Weihnachtsbuch „Sternstunden. Kulturgeschichte(n) zur Weihnachtszeit“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist ein Buch für viele Tage und alle Jahre wieder. Seine drei abwechslungsreich gestalteten Teile – Vorfreude, Weihnacht und Ausblick – laden dazu ein, die vom Fest der Feste überstrahlten Wochen der kalten Jahreszeit auf besondere Weise zu erleben.
„Weihnachten kommt immer so plötzlich.“ Diesen Satz hört man oft, je mehr es auf den 24. Dezember zugeht. Dabei ist die Weihnachtszeit eigentlich eine Zeit des Innehaltens und der Rückbesinnung auf unsere christlichen Wurzeln und Traditionen. Seit wann feiern wir überhaupt Christi Geburt? Welche Ausdrucksformen fanden Künstler über die Jahrhunderte für das Wunder seiner Geburt? Woher stammt der Weihnachtsbaum?
Die Weihnachtszeit steckt voller Symbole, die uns zwar vielfach umgeben, deren Kern aber oft nur noch vage bekannt ist. Die „Sternstunden“ füllen diese Lücke und öffnen eine Schatztruhe der weihnachtlichen Kulturgeschichte: Neben berühmten Meisterwerken Lochners, Dürers oder Raffaels sind in dem Buch wertvolle Glasmalereien, Altäre und Skulpturen aus Kirchen abgebildet, die mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert wurden.
Vorfreude auf die Weihnachtszeit
bereitet Sonja Lucas mit bewegenden Bildern zur Verkündigung des Engels Gabriel an Maria.

Hoch oben im Kirchenschiff von St. Lorenz in Nürnberg hängt der weltberühmte „Englische Gruß“, den Veith Stoß 1518 aus Lindenholz geschnitzt hat: Ein Fanal der Spätgotik.

Die Einhornjagd, bei der der Erzengel das scheue Fabelwesen in den Schoß der Jungfrau Maria treibt, stand im Spätmittelalter für die Menschwerdung Christi. Der Einhornaltar in der Katharinenkirche in Salzwedel ist eine der seltenen erhaltenen Beispiele seiner Art.
Manfred Becker-Huberti erzählt aus der Martinslegende, von Gänsen, Pachttag und Martinswecken. Er stellt die Adventsheilige Barbara, Helferin der Bergleute, vor.
Der Schoko-Nikolaus hat mit der ursprünglichen Gestalt nichts zu tun. Der echte Nikolaus war Bischof und half vielen in der Not.

Der Heilige Nikolaus ist der „Schenkende” schlechthin: In der berühmtesten Nikolauslegende, dargestellt auf einem fast 500 Jahre alten Altarbild (um 1520) in der Marienkirche von Bernau, wirft der Bischof unerkannt drei Goldkugeln durchs Fenster und gibt damit den drei jungen Mädchen die Mitgift, die ihr Schicksal positiv wendet.
Adventskranz, Adventskalender, Fatschenkind, Weihnachtsmann, Weihnachtsbaum und andere Bräuche erläutert Christiane Bertelsmann und stellt auch die jährlich wiederkehrende Frage nach Schenken oder nicht Schenken.
Viola Vierk macht die exotischen Gewürze der Adventsbäckerei schmackhaft, Konditorenmeister haben ihre Rezepte verraten und die Sterneköchin Léa Linster präsentiert dem Leser ein Weihnachtsmenü.
Weihnacht: Christi Geburt in der Kunst
Aus dem reichen Schatz der Gemälde, Reliefs, Glasmalereien hat Sonja Lucas berühmte und weniger bekannte Werke ausgewählt. Ausgehend von Bibelzitaten stellt jedes Kapitel ein Motiv in den Mittelpunkt und erklärt anschaulich die Rolle, die Figuren und Symbole im Wandel der Kunstgeschichte gespielt haben:

Christi Geburt, linker Flügel des Wildunger Altars, Stadtkirche Bad Wildungen
Das Jesuskind • Maria • Josef • Die Engel • Die Hirten • Ochs und Esel • Der Schauplatz: Höhle, Stall oder Ruine? • Landschaften auf Weihnachtsbildern

Nichts Wichtigeres scheint es für den rührend dargestellten Josef zu geben, als auf der Feuerstelle vor Marias Bett die Glut anzufachen, um darauf einen Brei zu kochen. Ausschnitt s.o.
Gloria in excelsis deo und In dulci jubilo:
Franz Jürgen Götz zeigt musizierende Engel auf spätgotischen Weihnachtsbildern, erklärt die Instrumente und lädt ein zu einem kleinen Spaziergang durch die Geschichte weihnachtlicher Musik.

Zweimal drei Engel preisen die Geburt mit himmlischem Gesang und zartem Instrumentenklang auf Harfe und Laute. Ortenberger Altar um 1430. Hessisches Landesmuseum Darmstadt.
Was wäre die Weihnachtszeit ohne Lieder und Gedichte?
Eine kleine Auswahl von Goethe bis Ringelnatz, von Theodor Storm bis Eduard Mörike und Wilhelm Busch.
Ausblick
Dramatisches Geschehen zeigt Sonja Lucas auf erstaunlichen Kunstwerken:
Der Kindermord von Bethlehem, die Flucht nach Ägypten und die Darbringung im Tempel schließen den weihnachtlichen Festkreis.
Voller Magie und Wissenschaft, aber vor allem voller Fragen ist die Geschichte der Heiligen Drei Könige, die Manfred Becker-Huberti vorstellt, erweitert um Harald Leschs astronomische Erklärung des Sterns von Bethlehem und Joachim Willeitners Spurensuche im Morgenland nach Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Das © der Bilder liegt bei den angegebenen Besitzern.
Die Autoren:
Dr. Manfred Becker-Huberti studierte Kath. Theologie und Publizistik. Er ist Leiter der Abteilung „Presse und Öffentlichkeitsarbeit" und Pressesprecher des Erzbistums Köln, Lehrbeauftragter für Medienkunde in der Priesterausbildung und Mitglied im Rat der Katholischen Rundfunkarbeit Deutschlands. Mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen zum religiösen Brauchtum trägt er viel zur Aufklärung über wichtige christliche Traditionen und Kultur bei.
Christiane Bertelsmann M. A. ist als Volkskundlerin immer wieder von den Phänomenen des Alltags fasziniert. Sie hat recherchiert, was hinter den Advents- und Weihnachtsbräuchen steckt und Freud und Leid des Schenkens näher beleuchtet. Sie arbeitet als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Marienkirche Berlin und als freie Journalistin.
Franz Jürgen Götz M. A. studierte Buchwissenschaft, Geschichte, Germanistik und Musikwissenschaft und war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Buchwissenschaft der Universität Mainz. Heute ist er an der Bayerischen Staatsbibliothek München tätig, zur Zeit am DFG-Projekt „Virtuelle Fachbibliothek Musikwissenschaft". Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Münchner Arbeitsstelle des Internationalen Quellenlexikons der Musik (RISM) und für die Arbeiten am Internationalen Quellenlexikon der Musikikonographie (RldlM) zuständig.
Dr. Anselm Grün ist Benediktinerpater, Cellerar der Abtei Münsterschwarzach und Autor zahlreicher Bücher zu spirituellen Themen. Er ist verantwortlich für die Missionsarbeit der Abtei, hält Vorträge und leitet Seminare zu unterschiedlichen Themengebieten, immer aber mit dem Hintergrund der Vermittlung christlich-spiritueller Lebensweisen. Seine Bücher erreichen inzwischen eine Auflage von über 14 Millionen Exemplaren in 28 Sprachen.
Prof. Dr. Harald Lesch ist Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und unterrichtet Naturphilosophie an der dortigen Hochschule. Bekannt wurde er durch seine Fernsehsendungen (z. B. Alpha Centauri), in denen er philosophische und physikalische Themen unterhaltsam und allgemeinverständlich dem Publikum darbietet. Unter anderem für seine journalistischen Leistungen erhielt er mehrere angesehene Preise.
Léa Linster übernahm 1982 von ihrem Vater dessen Restaurant in Frisange, das sie innerhalb weniger Jahre zum bekannten Gourmettempel in Luxemburg ausbaute. Heute betreibt sie neben dem Restaurant „Léa Linster" das „Kaschthaus" in der Stadt Luxemburg. Sie erhielt 1989 als bisher einzige Frau die Auszeichnung „Bocuse d'Or". Bundesweit bekannt wurde sie durch ihre Fernsehsendung „Léas KochLUST" und als Autorin erfolgreicher Rezeptbücher.
Sonja Lucas M. A. studierte Kunstgeschichte, Buch- und Bibliothekskunde und Pädagogik, arbeitete als Studienreiseleiterin und im Ausstellungsbereich. In den Monumente Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist sie als Lektorin tätig. Ihre Begeisterung für den in diesem Buch dargestellten Themenbereich erwuchs aus der Beschäftigung mit den vielen Förderprojekten der Stiftung.
Viola Vierk war über zehn Jahre in leitender Position im Gewürzhandel tätig. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren auch mit geschichtlichen Hintergründen der faszinierenden Welt der Gewürze und ist Inhaberin von Spicy's Gewürzmuseum in der Hamburger Speicherstadt, das mit mehr als 800 Exponaten jährlich über 120000 Besucher anzieht.
Joachim Willeitner M. A. ist Archäologe und betreibt ein Redaktionsbüro und Bildarchiv bei München. Er ist als Autor zahlreicher archäologischer Beiträge und Sachbücher tätig, unter anderem auch über das Weihrauchland. Zudem führt er regelmäßig Reisen in den Ländern des Vorderen Orients.
erstellt am: 04.12.07
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