Letzte Aktualisierung: 07.05.2009

 



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Das Erbe des Bösen

Das russische Labyrinth

Transsibirische Eisenbahn

Festung Breslau

Die Stadt im Westen

Die Wolga
von Schmid, Gregor M. und Rabus, Adelheid (Deutschland)

Genre:

Sachbuch, Bildband

Stichwörter:

Wolga, Russland

Verlag:

Flechsig Verlag

ISBN:

978-3-88189-468-5

Format:

gebunden Bildband, 160 S., 151 farb. Fotos

Erscheinungsjahr:

2003

Preis:

€ (D) 14,95 / € (A) 15,40 / sFr 26,00



Buchbesprechung

Alle Bilder © Gregor M. Schmid.

Die Wolga ist für Russen das Herzstück Russlands, man kann sie fast mit der »Russischen Seele« gleichsetzen, weshalb sie auch liebevoll »Mütterchen Wolga« genannt wird. Sie ist das Sinnbild des russischen Gemüts: mal träge in den unberührten Weiten dahin fließend, mal quirligstes Handelsleben an ihren Ufern, die ruhigen, stillen Gemüter des fest in der Orthodoxie verankerten kalten Nordens mit den feurigen, heißblütigen, farbenprächtigen und muslimischen und auch buddhistischen Einwohnern des Südens verbindend; sie verbindet Menschen und Religionen.
Hier herrschte Dschingis Khan, hier prägten die Kosaken das Leben …. und hier wurde die entscheidende Schlacht des Zweiten Weltkrieges geschlagen.
An ihr hat sich wie an keinem anderen Fluss die Geschichte Russlands abgespielt. St. Petersburg …jjja, Moskau … jjja, aber ohne die Wolga hätten beide Städte – und damit Russland – nie die Bedeutung erreicht, die sie erlangt haben. Der Fischreichtum der Wolga und die Fruchtbarkeit ihres Gebietes sind (neben den ukrainischen Weiten) die Grundlagen für die Entwicklung der Bevölkerung gewesen; zwangsläufig folgte der Handel auf dem Fluss, der den äußersten Norden mit dem Süden bis ins Kaspische und auch ins Schwarze Meer und von da mit den Meeren der Welt verbindet.
Wenn Russen von ihrem »Mütterchen Wolga« sprechen, klärt sich ihr Blick auf, als ob die Sonne aufginge, und ihr Blick wird träumerisch.
Die Bilder in diesem Bildband von Gregor M. Schmid geben all diese vielfältigen Facetten des russischen Gemüts und der Bedeutung dieses einmaligen Flusses aufs Herrlichste wieder.
Und der aufschlussreiche Text von Frau Adelheid Rabus steht der Intensität der Bilder in nichts nach. Sie versteht es ausgezeichnet, Information und Stimmung zu einem Ganzen zu verweben.

- Ich komme ins Träumen, wenn ich daran denke, wie ich einst in Nischni Nowgorod in einem wenig schönen Hotel sowjetischer Herkunft hoch oben im obersten Stockwerk zum Fenster hinausschaute und unerwartet die riesig breite – so dass man kaum das andere Ufer sehen konnte – Wolga vor Augen hatte. Kleine Schiffchen schienen auf ihr zu fahren, bis ich begriff, dass es in Wirklichkeit „Riesenpötte“ waren, die da fuhren – durch die ungewohnte Weite hatten sich die Größenverhältnisse einfach verschoben, mein Gehirn hatte mir einen Streich gespielt.
Da zu stehen und zu träumen! … ich fühle es noch heute. -

Es ist eine Binsenweisheit: Alles hat einmal klein angefangen.
Und hier fängt die Wolga an:



Auf der Wolgaquelle in den Waldaihöhen, in denen die Wolga entspringt, steht ein kleines Pfahlholzhaus, das über einen Steg zu erreichen ist.


Inhalt:
Die Wolga – Ein russisches Epos in Versen

   Foto-Essay
Der Traum des Zaren (1)
   Mit dem Schiff zu allen Weltmeeren
   Von St. Petersburg bis nach Rybinsk
   Vom Onega-See zur Wolga
Im Herzen des alten Russland
   Von der Quelle bis nach Moskau
   Uglitsch und Boris Godunow
   Jaroslawl oder: Wie viele Menschen braucht der Mensch
   Kostroma und die Wolgatreidler
Das Tor zum Osten
   Nischnij-Nowgorod: Die alte und neue Handelsstadt
   Maxim Gorkij, oder: Der Name der Seele
   Moderne Zeiten
Völker und Religionen
   Mari El und die Mari
   Tschuwaschien und die Tschuwaschen
   Tatarstan und die Tataren
   Kasan, das Leben und die Liebe
Das Erbe der Revolution
   In Lenins Kinderstube
   Togliatti und Samara
Vom Schicksal der Wolgadeutschen
   Saratow – Eine Stadt im Wandel
Phönix aus der Asche
   Ein Symbol für Eroberung und Untergang
   Auferstanden aus Ruinen
Der Traum des Zaren (2)
   Von der Wolga zum Don
Europa und Asien
   Steppen und Wüsten, Kalmückien und Astrachan
   Die Nachfolger Dschingis-Khans
   Astrachan, von der Wüste umgeben
Die letzte Strophe des Wolgalieds
   Kaviar und Lotosblüten im Wolgadelta
Daten und Fakten
   Zeittafel
   Kleines Wolga-ABC



In der kleinen Stadt Swistroj, am Fluss Swir gelegen, verläuft
das Leben ruhig und äußerst bescheiden


Ein einzigartiges Porträt des längsten Stroms Europas: Momentaufnahmen der dort siedelnden Menschen und ihrer Kultur, faszinierende Bilder der Landschaften und Städte entlang des Wasserweges von Sankt Petersburg bis zum Weißen Meer und durch das alte Russland bis nach Astrachan, der Residenz des Enkels von Dschingis-Khan, und zum Kaspischen Meer. Kühle Seenlandschaften im Norden, Sümpfe und Wälder, Wiesen und Felder, sowie südliche Steppen und Wüsten begleiten den Fluss. Vielfältige Impressionen der Natur- und Kulturlandschaft an der Wolga bieten die Bilder von Gregor M. Schmid, und einen umfassenden Einblick in die Kulturgeschichte bietet der Text von Adelheid Rabus.



Östlich der Wolga geht die Steppe in die kasachische Wüstenlandschaft über.
Pferde nutzen diesen Landstrich als Auslauf



Tatarentänzer auf einer Wiese am Ufer der Wolga, vor dem Hafen von Kasan:
Zu ihrer Tracht gehören handgenähte Stiefel, wie sie auch heute noch angefertigt werden.


Die Autoren:
Gregor M. Schmid
, geboren in Augsburg, war nach einer grafischen Ausbildung als Kunsterzieher tätig. Als freiberuflicher künstlerischer Fotograf hat er bereits eine Vielzahl von Bildbänden veröffentlicht sowie Beiträge zu internationalen Zeitschriften und Magazinen. Mehrere Austellungen im In- und Ausland.
Adelheid Rabus, 1943 in Falkenberg (Schlesien) geboren, lebt heute in München. Die ersten Berichte über Russland hörte sie bereits in ihrer Kindheit von ihrem Vater, der in russische Kriegsgefangenschaft geraten war. Sie war bis 2003 Vorstand der Bayerischen Ostgesellschaft, die sich seit über dreißig Jahren für die Verständigung zwischen den beiden Völkern einsetzt.


Bemerkungen:
Weitere Werke des Autors, vom Büchervielfraß vorgestellt:
Die Mongolei
Petersburger Zarenschlösser

Alle Veröffentlichungen von Gregor M. Schmid, gelistet in der Deutschen Nationalbibliothek

Alle Veröffentlichungen von Frau Adelheid Rabus, gelistet in der Deutschen Nationalbibliothek

Leseprobe:


Auf der Insel Kishi stehen zwei ganz aus Holz errichtete Kirchen
und ein historisches Museum für russische Holzbaukunst.
Höhepunkt ist die Verklärungskirche aus dem Jahr 1714.



Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – auch zu Buddha.
Im Buddhismus wird der Drache als Beschützer der Gottheit besonders verehrt,
während er im christlichen Glauben (beispielsweise vom Heiligen Georg
als »die Versuchung des Bösen«) bekämpft und getötet wird.


Die Wolga ist der größte Fluß Europas und zugleich das Symbol von »Mutter Rußland«. Von St. Petersburg, der Hauptstadt des großen Zaren an der Ostsee, führt die Reise bis zum Weißen Meer an der nordpolaren Barentsee und hinunter in den Süden, durch das alte Rußland und die neuen Industriezentren bis nach Wolgograd, wo sie - nach einem Abstecher zu den Don-Kosaken und dem Schwarzen Meer - Astrachan erreicht, die ehemalige Residenz Batu-Khans, des Enkels von Dschingis-Khan. Unterwegs begleiten den Reisenden die kühlen Seenlandschaften im Norden, Sümpfe und heitere Wälder, Wiesen und Felder - bis zu den Steppen und Wüsten im Süden, wo die Fahrt schließlich mit Kaviar und Lotosblüten im Kaspischen Meer mündet.


Im Wolgadelta, in Tud-Front, formieren sich die Fischer nach dem stundenlangen
Einziehen des Schleppnetzes zu einem Kreis,
um die Fische im seichten Uferwasser einzusammeln.


An der Wolga begegnet man allen Epochen der russischen Geschichte - von den Ursprüngen des russischen Reiches bis zur Gegenwart, die von der Auflösung der Sowjetunion gekennzeichnet ist.



Die Dimitrij-Kathedrale in Uglitsch an den Ufern der Wolga.



An Sonn- und Feiertagen treffen sich die Kriegsveteranen
an der Paradetreppe am Ufer der Wolga.


Der mächtige Strom verbindet die Stationen der Geschichte zu einem Epos mit vielen Versen. Vergänglichkeit und Dauer sind ihm vertraut. Oder - um es in den Worten des Dichters Jewgenij Jewtuschenko zu sagen:


Ich steh' an der Wolga, an der ewigen Wolga
und werd' vielleicht selber, nach meinem Tod,
zu einem Lied über die ewige Wolga,
gleich ihrem Strömen unsterblich und ohne Not.



erstellt am: 19.09.07

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